Heilpflanzen bei Kindern mit ADS/ADHS?

  • Posted on: 12 April 2017
  • By: Limbic Systems

In der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS/ADS) spielen die so genannten Stimulanzien, also Medikamente, die im Gehirn die Verfügbarkeit von Dopamin erhöhen, eine sehr wichtige Rolle. Der Goldstandard in der Behandlung ist nach wie vor Methylphenidat, das zum Beispiel unter den Handelsnamen Ritalin oder Medikinet bekannt ist. Die Behandlung ist sehr effektiv,  jedoch sprechen nicht alle Menschen mit ADS/ADHS auf Methylphenidat an und einige Betroffene haben auch Bedenken gegen dieser Art der Therapie. Häufig wird die Frage nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten gestellt.  Wie wirksam bestimmte Heilpflanzen bei der Therapie von Kindern mit ADHS sind, wurde in einer Übersichtsarbeit von Dennis Anheyer und Kollegen aus der Klinik für Naturheilkunde und integrative Medizin am Knappschaftskrankenhaus in Essen auf der Basis einer Literaturrecherche untersucht. Sie fanden heraus, dass Melisse, Baldrian und Passionsblume eine mäßige Wirksamkeit in der Therapie von ADHS Symptomen zeigen. Laut Autoren reicht die Datenlage zwar nicht für eine konkrete Therapiempfehlung aus,  aber angesichts des gezeigten positiven Nutzen-Risiko-Verhältnisses könnten die Pflanzen im Einzelfall durchaus eingesetzt werden. Die Wirksamkeit der Passionsblume bei kindlicher ADHS wurde z.B. in einer Studie von Akhondzadeh und Mitarbeitern bereits 2005 untersucht. Dabei stellten die Autoren fest, dass bei den untersuchten 34 Kindern im Alter zwischen 6 und 13 Jahren eine klinisch signifikante Besserung ihrer Symptomatik eintrat. Selbstredend handelt es sich um eine geringen Fallzahl von Patienten, dennoch läßt sich wohl ableiten, dass ein Behandlungsversuch in Frage kommt und zwar vor allem dann, wenn standardmäßig eingesetzte Medikamente nicht vertragen wurden oder keinen Nutzen erbrachten.