Beginnt ADHS immer in der Kindheit?

  • Posted on: 4 August 2016
  • By: Limbic Systems

Bislang wurde diese Frage von Fachleuten immer eindeutig bejaht. Nach bisherigem Kenntnisstand ist ADS oder ADHS eine primär neurobiologische Störung, die ursächlich ganz überwiegend auf genetischen Faktoren beruht. Entsprechene "verursachende" Gene wurde in Studien bereits identifiziert. Demzufolge leuchtet ein, dass sich der Beginn des Störungsbildes bis in die Kindheit zurück verfolgen läßt. Die klinische Erfahrung zeigt jedoch, dass dies bei Erwachsenen oft nur schwer nachweisbar ist. Häufig berichten die erwachsenen Patienten nämlich, dass sie in der Schule noch weitgehend problemlos zurecht kamen und die Schwierigkeiten erst mit zunehmenden Anforderungen oder etwa dem Auszug aus dem Elternhaus manifest wurden. Es ist zu vermutren, dass diese Betroffenen über gute kompensatorische Fähigkeiten verfügen, die ihnen halfen, die Symptomatik über lange Zeit auszugleichen. Inzwischen liegen zu dieser Frage neuere Studien vor: Die Arbeitsgruppe um Prof. Luis A. Rohde aus Brasilien untersuchte die Daten von über 5000 Probanden und stellten fest, dass bei einer Statuserhebung im 18. bzw. 19.Lebensjahr bei 84% dieser Betroffenen in der Kindheit (Statuserhebung mit 11 Jahren) eben noch keine Symptome nachweisbar waren. Demzufolge scheint ein Beginn von ADS bzw. ADHS erst im Erwachsenealter durchaus möglich zu sein. Zu einem ähnlichen Resultat kamen auch Moffit und Mitarbeiter 2015: Auch in dieser Kohortenstudie wiesen 90% der untersuchten Erwachsenen keine Anzeichen der Erkrankung in der Kindheit auf. 

Quelle: 10. Internationale ADHS-Konferenz am 23.04.2016 in Berlin. Vortrag Prof. Dr. Luis A. Rohde, Porto Alegre, Brasielien